Gründe warum Weiterbildung nichts bringt

Immer wieder werde ich gefragt ob Weiterbildung überhaupt sinnvoll ist und ich kann diese Frage nur mit einem lauten und großen JA beantworten.


Ich habe selbst mit dem Unterrichtungsverfahren begonnen und durch Weiterbildung innerhalb von 6 Jahren mein Gehalt verdoppelt und gleichzeitig die Arbeitszeit verringert.

Als ich 2008 in der US-Militärbewachung in Rheinland-Pfalz anfing war dort der Tariflohn 8,47€/h.

In meinem ersten Monat erhielt ich nach 248h in Wechselschicht und 4 durch gearbeiteten Wochenenden mein erstes Gehalt von ca 1.500,-€ was an diesem Objekt damals auch mein Rekord war.

Als ich 2014, durch die Weiterbildung zur GSSK, die Möglichkeit hatte, in einer kerntechnischen Anlage zu arbeiten, lag dort der Stundenlohn bei 17,37€/h. Ich verweigerte dort so weit es ging, Nachtschichten und Arbeit am Wochenende. Mit gemütlichen 185h im Monat kam ich im Tagdienst (und 1-2 Wochenenden in zwei Monaten) auf ca 2.100,-€ im Monat und hatte neben den freien Wochenenden sogar ab und zu freie Tage unter der Woche.


Die Kollegen, die Überstunden schoben und Nachtschichten arbeiteten hatten 400 - 600€ mehr im Monat.


Weiterbildung kann schon alleine finanziell sehr sinnvoll sein.

Die viel wichtigere Frage ist jedoch: Welche Ausbildung ist sinnvoll?

Aus- und Weiterbildungen die dich weiterbringen

Hier sind vor allem die Weiterbildungen zu empfehlen, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führen oder eine Fortbildungsprüfung der IHK sind. Insbesondere:

  • Die Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft

  • Servicekraft für Schutz und Sicherheit

  • Fachkraft für Schutz- und Sicherheit

  • Meister für Schutz und Sicherheit

Diese Ausbildungen sind in ganz Deutschland anerkannt und in Tarifverträgen enthalten. Sie öffnen die Tür für anspruchsvolle Tätigkeiten und dienen als Sprungbrett für die nächste Stufe.


Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft. Das Geld, dass sie kostet, soll sie in Zukunft wieder hereinbringen und nicht verbrennen.


Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und die Unterschiede der Gehälter einer 34a-Kraft und einer GSSK für jedes Bundesland dargestellt. Grundlage dafür sind die aktuellen Tarifverträge.


Als Grundlage für diese Berechnung dient eine kinderlose Person mit Steuerklasse 1 ohne Kirchensteuer bei 21 Arbeitstagen (7 x Früh, 7x Spät, 7x Nacht, 2 Sonntage) mit jeweils 8,5 Stunden. (Zusammen 178,5 Stunden).


34a GSSK Unterschied
Nordrhein-Westfalen 1.663,10 € 2.396,29 € 733,19 €
Bayern 1.465,96 € 1.976,76 € 510,80 €
Niedersachsen 1.446,82 € 1.851,88 € 405,06 €
Baden-Würtemberg 1.578,86 € 1.978,50 € 399,64 €
Hessen 1.486,67 € 1.779,78 € 293,11 €
Hamburg 1.593,36 € 1.832,29 € 238,93 €
Rheinland-Pfalz 1.441,99 € 1.677,13 € 235,15 €
Saarland 1.441,99 € 1.677,13 € 235,15 €
Sachsen-Anhalt 1.441,99 € 1.606,56 € 164,57 €
Sachsen 1.434,99 € 1.598,58 € 163,59 €
Bremen 1.579,36 € 1.724,11 € 144,75 €
Schleswig-Holstein 1.297,61 € 1.390,62 € 93,01 €
Thüringen 1.377,24 € 1.466,17 € 88,93 €
Berlin 1.453,89 € 1.536,10 € 82,21 €
Brandenburg 1.453,89 € 1.536,10 € 82,21 €
Mecklenburg-Vorpommern 1.453,89 € 1.536,10 € 82,21 €


Als Gehalt für die 34-Kraft dient der Stundenlohn für den Empfangs- und Pfortendienst.Nicht berücksichtigt sind die Tarife für kerntechnische Anlagen oder ähnlich kritische Infrastruktur. Der Tarif für diese Arbeitsbereiche ist höher als der für eine GSSK im Separatwachdienst. Auch die Fachkraft für Schutz und Sicherheit ist höher dotiert.


Wenn du aus NRW, Bayern, Niedersachsen oder Baden-Württemberg kommst, gibt es eigentlich alleine finanziell schon überhaupt keine Ausrede, die gegen eine Weiterbildung sprechen könnte. Die Schulungs- und Prüfungsgebühren hast du hier in kürzester Zeit wieder drin.


Doch auch im Rest von Deutschland hat man die Kosten in gut einem halben Jahr wieder drin. Lediglich in teilen Ost- und Norddeutschland ist der Effekt nicht besonders stark. Wer jedoch mobil ist, dem stehen aber alle Türen offen.

Personenschutz, maritime Sicherheit und Arbeit in Krisengebieten

Zu diesen Themen werden unzählige (meist sehr teure) Kurse angeboten.


Wenn du im Personenschutz arbeiten möchtest, dann nimm Kontakt mit Unternehmen auf, die darin ihr Hauptgeschäftsfeld haben. Also nicht zu den typischen Disco-Security-Unternehmen, die meistens auch Personenschutz auf der Homepage stehen haben.


Ein professionelles Unternehmen wird dich umfassend darüber aufklären, welche Qualifikationen sie für ihre Mitarbeiter wollen. Und sie werden dir von Anfang an sagen ob du Chancen hast genommen zu werden oder nicht. Die guten Unternehmen bilden ihre Leute in der Regel selbst aus.


Wenn ein Unternehmen nur ehemalige Polizeibeamte oder Soldaten einstellt, dann wirst du auch mit dem teuersten Zertifikat keine Chance haben. Denn für diese Leute bist du dann nur ein Wachmann mit einem teuren Stück Papier.


Gleiches gilt für die Arbeit in der maritimen Sicherheit und in Krisengebieten. In der Regel, stellen diese Unternehmen Personen ein, die mindestens 4-8 Jahre Militärdienst geleistet haben, der auch nicht all zu lange her sein darf. Meistens wird ein Dienst in Kampfeinheiten mit Einsatzerfahrung vorausgesetzt.


Hast du, vor nicht all zu langer Zeit, in einer Kampfeinheit im Einsatz gedient, dann hast du auch die Kenntnisse, die diese Unternehmen voraussetzen.


Fehlt dir diese Erfahrung, dann kannst du sie auch über noch so teure Lehrgänge nicht nachholen.


Diese Unternehmen suchen erfahrene Profis, die ihre Arbeit machen und ihre Auftraggeber haben in der Regel kein Interesse daran, Amateuren einen Abenteuerurlaub zu bezahlen.

Ausreden und Geschwätz

Nirgendwo wird so viel genörgelt und gemeckert wie im Wachgewerbe. Wenn du dich entschieden hast, dich weiterzubilden, dann wirst du dir viele dumme Sprüche anhören müssen. Meistens von Personen, die selbst nicht wissen was sie wollen und lieber anderen Menschen die Schuld für ihr langweiliges Leben geben, anstatt die Verantwortung selbst in die Hand zu nehmen.


Hier die häufigsten Sprüche und eine Erklärung, warum sie Blödsinn sind.


Da bekommst du hier nicht mehr Geld.“


GSSK und Service-/Fachkräfte für Schutz und Sicherheit werden händeringend gesucht. Wenn der aktuelle Arbeitgeber auch zukünftig keine Stellen für qualifiziertes Personal zur Verfügung hat, dann sucht man sich einen neuen. Die Stellen existieren definitiv. Wenn du bei der Suche Hilfe brauchst, nimm gerne mit mir Kontakt auf.


Da muss man erst mal was finden“


Ja, muss man. Eine Stelle fällt nicht vom Himmel und geschenkt bekommt man nichts. In den deutschen Ballungsgebieten findet man in wenigen Wochen eine Anstellung mit höherer Qualifikation. Ist man weniger mobil oder die Gegend strukturschwach, kann es bis zu einem Jahr dauern. Hat man die Stelle dann aber einmal, kann man für das gleiche Geld weitaus weniger Stunden arbeiten, oder für die gleichen Stunden enorm mehr Geld verdienen.


Wenn sich eine Fachkraft oder ein Meister auf eine 34a-Stelle bewirbt, dann ist sie selbst schuld. Welchen Grund sollte es geben, sich auf schlecht qualifizierte Stellen zu bewerben, wenn man eine gute Qualifikation hat? Ich halte dieses Argument für aus der Luft gegriffen. Die Personalnot im Bewachungsgewerbe ist so groß, dass es Unternehmen gibt, die selbst einen Rechtsanwalt an die Schranke setzen würden, wenn dieser das tun würde.

Wenn ein Unternehmen qualifizierte Bewerber ablehnt, hat dies in der Regel zwei Gründe:

  • Der Unternehmer weiß, dass in seinem Unternehmen bestimmte Vorschriften nicht eingehalten werden und will keine Personen, die sich mit fundiertem Wissen dagegen wehren können.
  • Das Unternehmen hat nur ein eingeschränktes Dienstleistungsangebot und weiß, dass sich ein hoch qualifizierter Bewerber dort schnell langweilen wird. Langeweile führt zu Frust und schlechter Arbeitsleistung. Dies möchten Arbeitgeber vermeiden.

Eine Ablehnung, weil man für eine Position überqualifiziert ist, ist also ein Glücksfall, denn in solchen Unternehmen muss man als professionelle Kraft nicht arbeiten.


Hier in der Gegend gibt es sowieso keine Jobs.“


Selbstverständlich gibt es in Deutschland strukturschwache Gebiete, in denen es in jeder Branche schwer ist einen Arbeitsplatz zu finden. Das kann man sich nicht schön reden. Wer seinen Heimatort trotz schlechter Chancen nicht verlassen will, dem hilft auch keine Weiterbildung. Aber gerade in solchen Gebieten kann eine Weiterbildung einen beträchtlichen Fortschritt ermöglichen, wenn du mobil bist.


Wen sich eine 34a-Kraft aus Niedersachsen zur GSSK weiterbildet und dann eine passende Arbeitsstelle in NRW annimmt, dann hat diese Person bei der gleichen Arbeitszeit jeden Monat ca. 855,-€ Netto mehr in der Tasche.

Menschen wachsen mit ihren Aufgaben

Wenn du einmal den Unterschied erlebt hast zwischen Unternehmen die ausschließlich mit 34a-Personal arbeiten und solchen bei denen die GSSK Mindestvoraussetzung ist, willst du nie wieder ins Land der 34a zurück.


Mit qualifiziertem Personal ist die Arbeit professioneller, es kursiert weitaus weniger Halbwissen, man hält sich an das Arbeitszeitgesetz und man muss keine illegalen 250 Stunden kloppen um über die Runden zu kommen.


Mit einem Wort: Die Lebensqualität steigt enorm!


Bei gleicher Arbeitszeit kannst du bis zu 1.000,-€ Netto mehr pro Monat verdienen.


Oder du arbeitest für das selbe Gehalt wie vorher, arbeitest aber keine Nachtschichten mehr und bleibst am Wochenende zu Hause.


Weiterhin wirst du mit anspruchsvolleren Aufgaben selbst wachsen und dich persönlich weiterentwickeln.


Durch eine Weiterbildung wirst du handlungssicherer. Wer sich über die rechtlichen Grundlagen nicht ganz sicher ist, zögert lieber, bevor er handelt. „Im Wachgewerbe steht man immer mit einem Bein im Knast“ ist eine Aussage, die man häufig hört. Meist von Personen mit einem ausgeprägten Halbwissen und schlechten Kenntnissen von der Materie. Durch Weiterbildung wirst du in deinem Beruf selbstbewusster und selbstsicherer werden. Dies wird sich auch auf deinen Charakter im Privatleben auswirken.

Profis sind gefragt

Personal mit einer Qualifikation von GSSK oder höher sind gefragt. Quasi kein Unternehmen hat eine geschlossene Personaldecke. Es gibt mehr offene Stellen als Bewerber für Führungs- und Fachkraftpositionen in Deutschland.


Man spricht hier von einem Arbeitnehmermarkt. Das bedeutet, dass inzwischen die Arbeitnehmer die Bedingungen stellen können und die Unternehmen froh sind, wenn sie qualifiziertes Personal bekommen.


Da sich Teile der Branche mehr und mehr professionalisieren wird sich an dieser Situation auch in Zukunft kaum etwas ändern.


Als Fachkraft stellst du einen Wert an sich dar, den du nie wieder für einen Hungerlohn verkaufen muss. Immer mehr Unternehmen locken Bewerber mit Wechselprämien von bis zu 5.000,-€, kostenlosen Job-Tickets oder Mitgliedschaften im Fitnessstudio.


Unternehmen die diesen Wandel nicht verstehen haben jetzt schon große Probleme ihre Aufträge erfüllen zu können und werden in Zukunft noch größere Probleme bekommen.


Als Fachkraft stehen dir Türen zu gutbezahlten Jobs und anspruchsvollen Führungspositionen offen.


Neben der Pflegebranche und der Unterhaltungsindustrie wird die Sicherheitsbranche eine der Wachstumsbranchen der Zukunft sein. Hilfsaufgaben auf 34a-Niveau wird es immer geben. Die meisten werden aber auch in Zukunft nur sehr schlecht bezahlt sein und es werden sicher auch weiterhin schlechte Arbeitsbedingungen herrschen.


Mit einer Weiterbildung zur GSSK, Fachkraft für Schutz und Sicherheit oder zum Meister für Schutz und Sicherheit wirst du auf jedem Fall vom zukünftigen Wachstum profitieren und Teil einer immer weiter wachsenden Branche sein.


Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Artikel wertvolle Informationen geben und dich motivieren, dich weiter zu entwickeln.

Achte darauf, wer Dir Ratschläge gibt!

"Alles Sch****, alles Mist,

wenn du nur der Wachmann bist!"


Sprüche wie diesen hört man in unserer Branche ständig.


Doch von Leuten die selbst nichts erreicht haben kann man nur eines lernen: Wie man nichts erreicht.

Wenn dir jemand, der seit 20 Jahren mit der Unterrichtung arbeitet sagt, dass sich die Weiterbildung nicht lohnt, kannst du ihn ignorieren. Denn woher sollte er es wissen.

Frage jemanden, der eine Weiterbildung gemacht hat. Die meisten werden dir sagen, dass es zwar nicht leicht ist und dass man nichts geschenkt bekommt, aber dass es sich gelohnt hat und dass sie es immer wieder tun würden.


Quelle: https://www.securityausbildung.info/weiterbildung/